Gute Zitate

Seneca

Wer Gutes tat, der schweige.
Die höchste Stufe des Gewährens ist die Güte.
Sei Deines Wohltuns froh, auch wenn es keine Früchte trägt.
Der Prüfstein für ein großes Herz heißt ja nicht, geben und verlieren, sondern verlieren und trotzdem wieder geben.

Ein selbstbestimmtes Leben führen

Zusammenfassung „WDR5: Das philosophische Radio mit Peter Bieri über Selbstbestimmung “

Ein selbstbestimmtes Leben ist fast so etwas wie ein utopisches Ideal. Dabei ist es nicht so, dass es nie erreicht wird, sondern es ist durchaus möglich, es phasenweise zu erreichen und auch im Rückblick es dann so zu sehen. Aber es ist ein fragiler Zustand, der uns jederzeit innerlich oder äußerlich wieder genommen werden kann.

Das Ideal hat zwei Lesarten:
Zum einen ist ein selbstbestimmtes Leben ein Leben ohne äußere Tyrannei, also keine politische Diktatur, kein Gefängnis, keine Versklavung durch den Lebenspartner, durch den Vermieter, keine Erpressung durch den Arbeitgeber oder sonst wen. Ohne Beschränkungen durch Armut oder Krankheit usw.
Die kompliziertere Lesart ist die Frage, wie ich selbst über mein Leben bestimmen kann, wie ich selbst Autor meines Lebens werde.
Der Auftakt zu einem selbstbestimmten Leben und damit erster Schritt ist die Selbsterkenntnis. Man muss wissen, was für ein Leben man führt, also wo ich bereits wie ein Autor mein Leben gestalte und wo das Leben mir nur „zustößt“.

Zur Selbsterkenntnis gehört die Erkenntnis, dass ich geprägt bin durch Eltern, Klassenkameraden, Umgebung, Fernsehen usw. . Dies ist ein Sockel an „Bestimmung“ der unseren Rahmen (Kontext) bildet und zwar nicht nur als Beschränkung, sondern auch als Chance und Orientierung. Denn was sollte ich denken, fühlen, wollen ohne einen solchen Sockel? Woher könnte ich sonst meine Maßstäbe beziehen.

Zur Selbsterkenntnis gehört der Abstand zu sich selbst. Dabei muss ich mir unter anderem folgende Fragen stellen:

Was denke ich eigentlich genau? Also bspw. was denke ich über meine Nachbarn, über den Afghanistankrieg, über die wirtschaftliche Lage, über meine Freunde? Aber auch, was denke ich über meinen Erfolg oder mein Scheitern von vorgestern?
Ja, man verliert dabei die Wohligkeit des Selbstverständnisses. Aber man stellt auch fest, dass man das alles, bei genauer Betrachtung, nicht so genau weiß.

Was will ich eigentlich? Gemeint sind nicht solche Fragen wie, will ich jetzt das oder jenes Essen oder zum Supermarkt einkaufen gehen? Sondern Fragen wie: Will ich ein Leben in der Gesellschaft führen oder lieber eines für mich allein? Will ich jemand sein, dem Erfolg wichtig ist? Oder, welchen Beruf will ich ergreifen und wie will ich eigentlich mein Leben verbringen?

Was fühle ich eigentlich? Dabei geht es um Gefühle wie Neid im Gegensatz zu Missgunst oder Trauer oder Zuneigung. Dabei ist es oft so, dass wir unsere Gefühle missverstehen. Wir können eine Trauer für eine Angst halten, wir können eine Aggression für eine Trauer halten. Es ist sozusagen die Frage nach der seelischen Identität.

Zweck der Übung ist es festzustellen, wer bin ich eigentlich und erst dann, wer möchte ich sein.
Der Weg von der Selbsterkenntnis zum Umbau der Persönlichkeit kann nicht einfach beschlossen werden. Sondern es ist ein langwieriger Prozess mit vielen Neben- und Irrwegen. Dies wird aber zu einem blinden Kampf, wenn ich nicht gut verstehe, was ich denke, wünsche und fühle. Woher kommen die Emotionen, die ich bekämpfe und woher kommt der Wunsch, dies zu tun?
Dieses Prinzip kann man sich gut verdeutlichen, wenn es darum geht, z.B. einen Hass zu bekämpfen. Dabei wird klar, dass alle oben genannten Fragen gestellt und beantwortet werden sollten, so weit es geht.
Freuds Grundidee ist dann: Durch zum Teil langwierige Transparent-Machung kann man die Quellen eines Affekts ergründen und ihn dann auch verändern, zumindest teilweise oder ihn in die eigene Persönlichkeit integrieren.

Der innere Gegner in solchen Prozessen ist ein Wunsch oder ein Gedanke, der nicht verträglich ist mit dem gewünschten Selbstbild. Der innere Gegner ist nie objektiv, sondern existiert immer nur im Bezug auf das Selbstbild. Darin liegt aber auch gerade die Chance. Denn durch Veränderung des Selbstbildes kann man den inneren Gegner ins Selbstbild integrieren oder ihn unwichtig werden lassen.

Beim Prozess der Selbsterkenntnis spielt die Sprache eine wichtige Rolle. Um Transparenz oder Klarheit bzgl. der oben genannten Fragen herbeizuführen, muss man reden. Reden mit sich selbst, mit jemandem anderen oder in Schriftform.
Ein differenzierter, reicher Wortschatz hilft dabei ungemein.
Es gibt aber auch die Gegenseite. Gerade das Reden mit anderen – das oft auch nicht ganz aufrichtig ist, weil man sich anders darstellen will, als man ist – kann auch zur Selbsttäuschung und Fremdtäuschung führen (falsches, unvollständiges Feedback).

Fast alles, was wir denken, wünschen und fühlen geht darauf zurück, dass wir „unter dem Blick anderer Menschen“ leben. Dieser Blick kann beides sein, größter Schmerz, Angst oder Erfolg und Freude u.v.a.m. Entziehen kann ich mich diesem Blick nicht, denn ich nehme die Erinnerung daran überall mit. So dass die Frage lauten muss, wie erreiche ich Selbstbestimmung unter dem Blick der Anderen?
Das ist vielleicht die tiefste Frage des menschlichen Zusammenlebens oder auch der Politik. Es gibt darauf keine einheitliche, formalistische Antwort.
Wir müssen uns klar werden, welchen Blick, welche Person wir wichtig nehmen wollen? Die anderen Blicke können wir ignorieren. Das macht gerade die Selbstbestimmung aus.
Ein anderer Blick straft mich, kränkt mich, verletzt mich nur, wenn ich dem anderen eine Autorität in meinem Inneren zuspreche. (Ich will seine Anerkennung, ich will seine Richterposition, o.ä.). Wenn es gelingt, diese Autoritätszuschreibung, die oft unbewusst ist, irgendwie zurückzunehmen, spielt es keine Rolle mehr, was der oder die über mich denkt.
Welche Leute sind mir eigentlich wichtig? Man stellt fest, es sind wesentlich weniger als die Angst fingiert.

Exkurs über unterschiedliche Ebenen von Begrifflichkeiten, deren Vermischung nur verwirrt:
Wenn wir von Entscheiden, Fühlen, Wünschen und auch von Freiheit reden, dann ist das etwas, das auf der Ebene der Psychologie besprochen werden kann. Nicht aber auf der Ebene des Gehirns oder der Neurobiologie. Dort finden nur Neuronen- oder Elektrogewitter und Stoffwechsel statt.
Z.B. ist der Begriff der Freiheit gemacht für Beschreibungen auf dem Gebiet der Psychologie oder Soziologie. Außerhalb ergibt der Begriff keinen Sinn (z.B. auf neuronaler Ebene). Insofern ist es eine Vermischung verschiedener Ebenen, wenn man sagt, der Mensch sei prinzipiell nicht frei oder selbstbestimmt, weil er ja immer kausalen Zusammenhängen im Gehirn unterworfen sei. Kategorien wie frei oder unfrei existieren neurologisch gesehen nicht. Es sind keine Fragestellungen, mit welchen sich die Neurobiologie auseinandersetzt. Sie kann sie in ihrer Sprache nicht einmal beschreiben.
Formulierungen wie „wir tun nicht was wir wollen, sondern wir wollen was wir tun“ oder „die Freiheit ist eine Illusion“ sind plakativ und provozierend zu verstehen. Eigentlich sind sie falsch, da sie Begrifflichkeiten zueinander führen, die nicht zusammengehören. Sie empören, weil sie das Glück und die Würde gefährden würden, wenn sie richtig wären.

Unendlich

Eigentlich ist es merkwürdig, dass im sogenannten Wissenszeitalter das Wort „Unendlichkeit“ niemanden mehr so richtig hinter dem Ofen vorlockt, geschweige denn erschüttert. Beginnt man hingegen nur ein klein wenig nach dem Begriff zu recherchieren, so wird schnell klar, dass die Gleichgültigkeit diesem Begriff gegenüber alles andere als gerechtfertigt ist.

Da ist im Zusammenhang mit diesem Begriff von Paradoxien und Gottesbeweisen die Rede oder gar von grundsätzlichen Aspekten des Menschseins in Abgrenzung zum Tierreich (ich bewerte das jetzt nicht ;-). Einige Menschen soll der Begriff schier in den Wahnsinn getrieben haben. Andere behaupten, das gibt es eigentlich gar nicht, die Unendlichkeit. Oder wieder andere reden geschwollen daher, dass man das „aktual“ Unendliche vom „potentiell“ Unendlichen trennen müsse und dass dies auch philosophiehistorisch anders akzentuiert worden sei.

Um es kurz zu machen, in der Menschheitsgeschichte, hat der Begriff schon so einige Gemüter bewegt und ich bilde mir jetzt auch noch ein, hierzu etwas Wesentliches sagen zu können. Eigentlich ein lächerliches Unterfangen, oder?

Was mir an dem Begriff so gut gefällt ist, dass er quasi als Synonym für all die merkwürdigen Worte und Aussagen stehen könnte, von denen man irgendwie nie klar genug formulieren kann, was sie bedeuten. Oder es gehen die Meinungen darüber auseinander, was sie alles gleichzeitig nicht sind. Als schöne Beispiele führe ich die Begriff „Egoismus“, „Sinn des Lebens“ oder „Freiheit“ hier an.

Entstehung des Begriffs

Wie kommt es also dazu, dass der Mensch sich etwas ausdenken kann, das er bei genauer Betrachtung wieder in Frage stellen muss, bzw. wo er ins Schwimmen gerät, wenn er präzise werden will?
Abstrakt formuliert sehe ich die Ursache, sich solche Worte auszudenken, in der Fähigkeit des Menschen zum „Transfer“ und zur „Transzendenz“. Oder vielleicht noch ursächlicher in seinem „Bewusstsein“.
Dies möchte ich an einem einfachen Beispiel verdeutlichen. Der Mensch macht beim Gehen einen Schritt vorwärts und er ist sich dessen bewusst. Er kann sich dann ausmalen, dass wenn er weitere Schritte tut, er zu irgendeinem Ort kommt, den er vielleicht schon kennt, oder den man ihm angekündigt hat. Er ist also in der Lage, über das Hier und Jetzt hinauszugehen (Transzendenz, man verzeihe mir den stark vereinfachten Gebrauch dieses Wortes in diesem Zusammenhang) und sich vorzustellen, wohin sein Schreiten führt. Das geht sogar noch weiter, denn er kann sich auch vorstellen, immer weiter zu gehen und dann sogar ganz ferne Orte zu erreichen. Die Fähigkeit zur Transzendenz ist sogar so ausdifferenziert, dass er sich vorstellen kann, ein Meer würde sein Gehen behindern und ihn das dahinter Liegende auf diese Weise nicht erreichen lassen.
Trivial? Stimmt.
Aber genau in diesen primitiven Ansätzen liegt für mich der Schlüssel dazu, sich etwas wie Unendlichkeit vorstellen zu können. Und sich Begriffe für die „Extrapolation“ des Hier und Jetzt ausdenken zu wollen.
Mit „Transfer“ meine ich dann, ebenso tivial ;-), die Fähigkeit z.B. das „Fortschreiten“ auf andere Dinge zu übertragen. Wenn ich ein Reiskorn habe, und lege eins dazu, so habe ich mehr. Lege ich wieder eins dazu, so habe ich noch mehr, und so weiter und so fort. Das hört in Gedanken fortgesponnen nie auf. Und dass es nie aufhört, das nennt man dann z.B. Unendlichkeit. Für einen Menschen ist es also recht einfach, etwas vom Gegenwärtigen herauszugreifen und es weiterzuentwickeln und zwar bis ins Unendliche, Unmögliche oder Virtuelle.

Übrigens auf gleiche Weise hat sich der Mensch auch Gott erschaffen. Oder ich möchte lieber sagen eine Vorstellung davon. Genzenlose Güte, unendliche Macht, nicht enden wollende Liebe, alles Eigenschaften, die der Mensch diesem Gott als „Extrapolation“ seiner Erkenntnisse zuschreibt. Ich möchte an dieser Stelle nicht allzu weit ausschweifen, denn „Gott“ ist hier nicht das Thema.
Aber eines möchte ich dann doch anfügen, weil es mich fasziniert: Gerade der Begriff „Gott“ macht deutlich, wie mächtig und bedeutend das werden kann, was der Mensch sich nur vorgestellt hat. Nein, ich habe damit nicht gesagt, Gott gäbe es nicht und er sei bloß eine Vorstellung. Auch diesen Gedankengang würge ich ab, weil ich beim Thema bleiben will.

Zenos Paradoxie

Falls Sie gerade nicht präsent haben, worin diese besteht. Es ging dabei um die Frage, ob der schnellste Läufer Griechenlands (Achill) jemals eine Schildkröte (Name unbekannt, nennen wir sie deshalb Kassiopeia), der er einen Vorsprung gegeben hat, jemals einholen kann? Klar kann er das, ist doch logisch, werden Sie sagen. Nun ja, schauen Sie erst einmal genauer hin.
Wenn Achill losläuft und eine Zeit gerannt ist, ist er Kassiopeia zwar näher gekommen, aber Kassiopeia hat sich auch ein zwar kleines aber immerhin doch messbares Stück vorwärts bewegt. Wieder eine Weile später, ist Achill noch näher an Kassiopeia herangekommen, sie aber ebenfalls ein Stückchen weitergekrochen. Sie ahnen, worauf das hinausläuft? Mit dieser Überlegung wird Achill Kassiopeia nie einholen, geschweige denn überholen. Was aber selbstverständlich unserer Erfahrung widerspricht. Darin liegt die Paradoxie.
Die Mathematiker haben sich rasch des Problems entledigt. Man kann zeigen, dass Achill Kassiopeia im Grenzwert erreicht und dann überholt. Allerdings haben sie dafür eine Konstruktion erfinden müssen, mit der sie das beschreiben, diese „Limes“-Geschichte, Sie erinnern sich? Ohne jetzt allzu sehr in die Mathematik einzusteigen, es läuft letztlich auf so etwas hinaus wie, der Grenzwert ist null für die Reihe 1/kn ist für n gegen unendlich und k größer eins. So eine Reihe wäre zum Beispiel 1/21, 1/22, 1/23, 1/24 … Man sieht, dass die Zahl unter dem Bruchstrich ins Unendliche wächst und der Bruch damit gegen null geht.
Beim Beweis dieser Behauptung gehen die Mathematiker übrigens ziemlich anschaulich vor, sie schließen von „Einsichtigem“ („Monotonie der Folge“) auf die Richtigkeit der Behauptung.

Interessant finde ich daran folgende drei Aspekte:
1. Die Mathematiker gehen davon aus, dass der Abstand zwischen Achill und Kassiopeia beliebig oder unendlich klein werden kann.
2. Sie gehen eigentlich bei der Beweisführung genau so vor, wie ich es oben trivial beschrieben habe. Nämlich der „Extrapolation“ dessen, was sie bewusst wahrnehmen.
3. Im Grunde drücken sie sich um die Frage herum, ob es etwas „unendlich Kleines“ überhaupt geben kann. Brauchen Sie ja auch nicht, denn Ihre Formeln führen ja zum richtigen Ergebnis, Achill überholt irgendwann die Schildkröte Kassiopeia.

Und was ist mit uns? Also ich fühle mich nach wie vor allein gelassen und kann mir das unendlich Kleine und vor allem die Folge draus nicht recht vorstellen. Das Paradox ist gefühlmäßig nicht gelöst.

Ein italienischer Philosoph packt das Problem von ganz anderer Seite an. Er sagt, ihr müsst darauf achten, was ihr betrachtet.
Fall 1. Wenn Ihr gleiche Zeitabstände betrachtet und nachseht, wo sich gerade Achill befindet und wo Kassiopeia, dann werdet ihr feststellen, dass Achill zu einem dieser Zeitpunkte Kassiopeia überholt hat.
Fall 2. Macht ihr aber die Zeitabstände immer kleiner, um zu sehen, wie genau Achill die Schildkröte überholt, dann lauft ihr dem Paradox in die Arme.

Ok, schön, was ist aber, wenn ich es nun mal so wie in Fall 2 betrachten will? Wieso soll ich ein Problem lösen, in dem ich es anders anpacke? Es muss doch auch für diesen Fall eine Antwort geben.

Uff, jetzt komme ich endlich langsam zu dem, was ich mit diesem Artikel eigentlich anregen möchte. Die Physiker rätseln nämlich schon geraume Zeit, ob die Zeit kontinuierlich vergeht oder ob es kleinste Zeitsprünge gibt? Ich will es kurz machen, anschaulich wäre es schon, wenn man sagt, der Abstand zwischen Achill und Kassiopeia kann unendlich klein werden, die Zeit aber nicht. Irgendwann macht es also Schnipp und Achill hat den zwar immer noch weiter verkleinerbaren Abstand überwunden. Und dann überholt er die Schildkröte.
Blödsinn? Na ich weiss nicht. Vielleicht liegt da ja auch irgendwo die Begründung dafür, dass nichts schneller als das Licht sein kann. Oder umgekehrt die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit ist der Grund dafür, dass Achill Kassiopeia überholt.

Vielleicht ist es einfach so, dass es Dinge gibt, die unendlich groß aber eben nicht unendlich klein werden können und umgekehrt?

Gibt es überhaupt Endliches?

Die heisenbergsche Unschärferelation besagt, dass man bestimmte Paare von Größen (z.B. Ort und Impuls) nicht gleichzeitig beliebig genau messen kann. Das hat aber einige ziemlich herbe Konsequenzen.
Unser Körper besteht aus Atomen und die wiederum aus Elektronen, Protonen und Neutronen (weiter in die Tiefe dringe ich hier nicht). Wo hört unser Körper also genau auf? Ist er wirklich endlich begrenzt?
Wenn ja, dann müsste es sozusagen ein äußerstes Atom geben, das uns begrenzt. Gehen wir also davon aus, dass wir uns nicht bewegen. Das äußerste Atom bewegt sich dann auch nicht (Vereinfachung). Sein Impuls wäre damit exakt null. Nach Heisenberg wissen wir dann aber nicht genau, wo das äußerste Atom ist. Es gibt eine, wenn auch winzig kleine Wahrscheinlichkeit dafür, dass es sich am anderen Ende des Universums befindet. Sind wir also begrenzt? Sind wir wirklich endlich?
Das Beispiel kann man natürlich auf alles Materielle anwenden. Übrigens auf die Zeit auch (Energie-Zeit-Unschärfe).
Muss man also nicht genauso fragen, gibt es überhaupt etwas wirklich Endliches?

Um wieder bodenständig zu werden, schlage ich einen Kompromiss vor. Beide Begriffe „Endlichkeit“ und „Unendlichkeit“ sind nur „Extrapolationen“ von unseren bewußten Erfahrungen. Ob sie tatsächlich real existieren, lässt sich nicht wirklich beweisen. Es scheint aber so zu sein, dass weder der eine noch der andere „Zustand“ eingenommen werden kann. Man kann sich also weder 100% im Endlichen befinden, noch 100% im Unendlichen. Also nehmen wir doch von allem ein bisschen. Wir und alles Andere auch sind gleichzeitig ein wenig endlich und ein wenig unendlich…

Zahnbehandlung, auf Dauer alles Pfusch

Als Kind hatte ich trotz gestrenger Eltern relativ viel Karies. Der Zahnarzt sagte, ich hätte einen zarten Zahnschmelz. Zugekleistert wurden die Löcher, wie in den 1960er Jahren üblich, mit Amalgam. Irgendwann in den 80ern, oder war es in den 90ern kam dann in der Presse auf, das Quecksilber im Amalgam sei schädlich und auch gemischte Metalle im Mund würden galvanisch wirken und die Nerven und das Gehirn beeinflussen. Obwohl die Kasse zu dieser Zeit nur noch die Hälfte der Gold-Inlays übernahm, entschloss ich mich dazu das Amalgam herausbohren zu lassen und eben durch diese Inlays zu ersetzen. Ich dachte damals, Gold ist in sich weich und wird wohl den besten Abschluss zum sich verändernden Zahn herstellen. Außerdem ist es ja selbst resistent so ziemlich gegen alles, geht keine Bindung mit irgendetwas ein und wird den Körper daher kaum stören.
Was ich damals nicht wusste, dass natürlich kein reines Gold zum Einsatz kommt, sondern eine Legierung, die das Inlay extrem hart macht. Das ging auch nicht anders, denn die Kräfte, die beim Kauen gerade punktuell entstehen können, sind enorm.

Mit ca. 40 Jahren war es dann so weit, Karies unter dem Inlay. Da die Wand des Zahns schon zu dünn war und die Zahnwurzel angegriffen, blieb nur die „Wurzelbehandlung“ und eine Krone. Der Zahnarzt arbeitete gut, aber ich hatte verdammt lange Wurzeln und so entzündete sich die Wurzelspitze nochmals ca. 10 Jahre später. Die Alternativen: Wurzelspitzenresektion oder Einpflanzen einer Keramik-Wurzel. Gott sei Dank genügte Antibiotika. Zur Zeit gibt der Zahn Ruhe.

Insgesamt gesehen, habe ich großes Glück gehabt und gute Zahnärzte, denn die 7 anderen Inlays sind problemlos.

Warum ich das alles schreibe? Nun, weil mir klar wurde, dass alle Zahnbehandlungen im Grunde nur Provisorien für ein paar Jahre, vielleicht ein Jahrzehnt sind. Das sagt aber einem niemand. So muss ich rückblickend sagen, das Amalgam hätte genauso lange vielleicht sogar besser gehalten als das Goldinlay und trotz sichtbarer „Zahnabschlüsse“ haben alle meinen Bekannten, die noch Amalgam im Mund haben, keinen Karies darunter.
Goldinlays sind so hart, dass sich feine Kapillaren im Zahnabschluss bilden und damit zu Einfallstoren für Bakterien werden. Das Quecksilber im Amalgam ist außerdem leicht desinfizierend, weil giftig, was die Kariesbildung ebenfalls hemmt.
Ich will hier sicher nicht dem Amalgam das Wort reden, ich bin auch kein Zahnarzt. Nein ich will auf etwas ganz anderes hinaus.
Zur Ehrenrettung der Zahnheilkunde, möchte ich auch anfügen, dass alternative Methoden, wie die Wurzelverpflanzung in den 60er und 70er Jahren noch nicht so weit entwickelt waren und sich deshalb kaum jemand da rantraute.

Ich frage mich heute, ob es nicht besser und insgesamt kostenschonender gewesen wäre, gleich den Zahn zu ziehen und durch eine Keramikwurzel zu ersetzen. Das setzt voraus, und dies weiß ich leider noch nicht, das diese Wurzeln ein Leben lang halten.

Der oben geschilderte Verlauf ist eigentlich absolut die Regel. Nur bei den meisten Menschen vollzieht er sich in kürzerer Zeit und oft noch dramatischer als bei mir.
Ich hätte es besser gefunden, das schon in jungen Jahren zu wissen, um sich innerlich und äußerlich darauf einzustellen. Außerdem sollte man endlich bekannt machen, welche Art von Zahnfüllung die haltbarste ist und wie eventuelle Nebenwirkungen einzuschätzen sind.
Schlussendlich kann der Druck zu intensiver Zahnpflege in jungen Jahren nicht groß genug sein. Denn dann gewöhnt man sich frühzeitig an die zeitaufwendige Prozedur einer intensiven Zahnpflege.

Lieber Leser, Du wirst vielleicht sagen „dann google halt danach!“ Habe ich. Da ich aber kein Mediziner bin, bin ich nicht sehr weit gekommen. Ich hoffe aber mein Beitrag bringt Dir trotzdem etwas und wenn er nur die richtigen Fragen aufwirft.