Haben wir einen „freien Willen“ ?

Tieren spricht man im Allgemeinen einen freien Willen ab. Sie seien von Instinkten getrieben und folgten einfachen Reiz-Reaktions-Mustern. Muss man nun nicht annehmen, beim Menschen sei es genau so? Ergo habe er ebenfalls keinen freien Willen?
Argumentiert wird dabei wie folgt:
Der Mensch sei ja schließlich auch nur ein Tier. Auch er folge Reiz-Reaktions-Mustern, handle überwiegend instinktiv. Diese Muster seien zwar weitaus komplexer, aber im Grunde genauso auf elektrochemische Vorgänge im Gehirn zurückzuführen, wie bei primitiveren Lebensformen.
Andere Argumentationslinien heben auf Aspekte der Prägung durch die soziokulturelle Umwelt oder die Determiniertheit durch unsere Gene ab. Beide Faktoren beeinflussen massiv unsere Entscheidungs- und Denkprozesse. Und selbst wenn man dabei den Faktor „Zufall“ oder „Kontingenz“, also das sich wechselseitig beeinflussende, aber eben doch willkürliche Zusammentreffen von Umständen, hinzunimmt, ergeben sich keine von „Einflüssen freien“ Entscheidungsprozesse oder Willensäußerungen. Alles ist irgendwo determiniert und damit unfrei.

Auch wenn die Komplexität der Einflussfaktoren auf den Willen oder die Entscheidungsfähigkeit des Menschen überwältigend groß ist, so gehen doch all diese technisch-wissenschaftlichen Überlegung davon aus, dass sie prinzipiell erfassbar wären und sich somit ein geäußerter Wunsch, Wille oder Entscheidung voraus „berechnen“ ließe. Und weil er eben von erkennbaren Einflussfaktoren abhänge, sei der Wille eben nicht frei.

Irritierend und ein starkes Argument gegen den freien Willen, war vor ein oder zwei Jahrzehnten ein Ergebnis der neurologischen Forschung. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass im Gehirn, bereits ein paar zehntel Sekunden vor einer Willensbildung, Aktivitäten im Gange sind, die den Ausgang der Entscheidung festlegen. Das Gehirn gibt also zeitlich bereits vor der Entstehung eines Gedanken seine Ausprägungsrichtung vor. Der Mensch kann dann nicht mehr anders, er muss das denken, was sich anbahnt. Und diese „Vorbereitung“ geschieht vollkommen unbewusst und ist auch nicht aktiv beeinflussbar.

Zusammengefasst argumentiert man also: Die Komplexität der Einflussfaktoren auf das entstehen eines freien Willens sie prinzipiell erfassbar und damit der Wille unfrei, weil kausal determiniert …
Die Tatsache, dass die Vielzahl von Einflussfaktoren in Praxis nicht bestimmbar ist, brachte mich jedoch auf folgende Gedanken.

Die entscheidende Frage, ob wir einen freien Willen haben, verlagert sich meiner Ansicht nach, auf das Wort „frei“ oder „Freiheit“. Was bedeutet dieser Begriff? Und wieso gibt es ihn überhaupt, wenn doch alles determiniert ist? Man kann historisch anführen, dass der Begriff zu Zeiten entstand, als man noch nicht solch umfassende Kenntnisse über die deterministischen Prozesse im Gehirn wie heutzutage hatte.
Aber wieso geben wir ihn dann heute nicht auf, diesen Begriff?
Wieso wollen wir uns politisch stark machen und uns für „Freiheit“ einsetzen, wo es die Sache doch anscheinend gar nicht gibt?
Ist es einfach ein intuitiver Trugschluss, dem wir aufsitzen und annehmen, es gäbe sie, diese Freiheit wirklich?

Philosophisch möchte ich antworten, es kommt eben darauf an was wir unter dem Begriff „Freiheit“ verstehen wollen. Oder was im Kern darunter verstanden wurde, als er entstand.

Deterministische Einflussfaktoren setzen dem freien Willen „Grenzen“, könnte man formulieren. Ja sogar noch weitergehend, sie lösen den freien Willen sogar vollständig auf. Denn es gibt auch keinen „Raum“ an Möglichkeiten, in welchem der Wille noch frei wählen könnte.
Ich habe dies formuliert, weil ich auf die beiden Begriffe „Raum“ und „Grenzen“ abheben möchte. In der Systemtheorie definiert man ein „System“ in seiner grundlegendsten Form, als etwas, das „räumlich“ und „zeitlich“ abgegrenzt ist. Jedes System dieser Welt lässt sich abstrahiert auf diese Beschreibung reduzieren. Jedes System bedarf demnach einer Begrenzung, um überhaupt zu existieren und sich von anderen zu unterscheiden.

Unser Geist, unser Körper und unser Wille befinden sich immer in einem irgendwie gearteten System. Und das wird durch seine Grenzen beschrieben. Und was begrenzt ist, ist unfrei. Ist das so? Muss das so sein?
Ich glaube nicht, denn die Frage verlagert sich auf das was wir, als unsere Grenzen akzeptieren können und was nicht. Bspw. wird sich wohl kaum jemand durch seine Haut begrenzt und dadurch in seiner Freiheit eingeschränkt sehen, genau so wenig wie durch seinen Stoffwechsel oder das Atmen. Umgekehrt gibt es sicher Menschen, deren Lebensumstände andere als „unfrei“ ansehen. Sie selbst aber empfinden dies nicht so, weil sie Ihre Grenzen akzeptiert haben.

Ich möchte daher „Freiheit“ auch so definieren:
Ein Mensch ist in dem Maße frei, wie er die ihm gesetzten Grenzen akzeptieren kann.

Und dann wird alles ganz einfach:
Kann ich die Determiniertheit durch soziologische, biologische und neurologische Gegebenheiten akzeptieren, dann besitze ich auch einen in diesen Grenzen „freien Willen“. Andere, die diese Grenzen nicht akzeptieren, werden sagen, mein oder ihr Wille sei nicht frei.
Aber es ist damit klar, um was es geht. Die Grenzen müssen so verschoben werden, dass sie akzeptabel werden. Dann ist der Mensch „frei“. Und damit gibt es auch den „freien Willen“.
Anderen Menschen zur Freiheit zu verhelfen, ist also vor allem ein empathischer Vorgang. Man muss sich in den anderen hineinversetzen, um herauszufinden, welche Grenzen für ihn akzeptabel sind und welche nicht.
Da es kein System ohne Grenzen gibt, gibt es auch keine „grenzenlose Freiheit“. Es gibt sie immer nur im Rahmen ihrer akzeptieren Grenzen. Sie ist, genau, wie auch der Begriff selbst angelegt ist, immer auf das Subjekt bezogen.

Wahrheit und Wirklichkeit

In meiner Vorstellungswelt vermute ich Sprache als eher pragmatisch entstanden. Substantive (=Wort, =Begriff), Verben und Adjektive sind Folge von „Vereinbarungen“. Eine „Menge“ von Sinneseindrücken wird bei einem anderen Menschen als ähnlich vorhanden angenommen und man einigt sich gemeinsam auf einen „Begriff“ dafür.
Sie hatten es auch in Ihrem letzten Podcast angesprochen, dass solche „Mengen“ selbstverständlich nicht als identisch zwischen mehreren Menschen angenommen werden dürfen. Trotzdem macht es Sinn, ist es zweckmäßig, sich auf einen Begriff zu einigen, der „ausgesprochen“ und „angehört“ natürlich ebenfalls wieder ein Sinneseindruck ist.
Ich möchte diesen Zusammenhang zwischen Begriff und Vereinbarung als „atomar“ bezeichnen. Warum? Nun das folgt später.

Das Interessante ist nun, dass diese „atomaren“ Vereinbarungen recht schnell „transzendent“ benutzt werden können, um einerseits Dinge zu beschreiben, die nicht dinglich existieren oder deren Wirkungszusammenhänge angedeutet oder nur vermutet werden. Beides erzeugt ebenfalls eine „Menge“ an Sinneseindrücken, auch wenn dies ggf. nur Gedanken sind.
Problematisch ist, dass über die „Vereinbarungen“, die irgendwann einmal getroffen wurden, nicht Buch geführt wird. So geht das Wissen über diese ganz oder teilweise verloren. Hinzu kommt, dass solche „Vereinbarungen“ oft aus pragmatischen Gründen schnell vermittelt, beigebracht oder gelernt werden müssen und daher unpräzise und unvollständig bleiben.
Ein schönes Beispiel sind die Worte „effizient“ und „effektiv“, die wohl jeder in seinem Leben schon mal „falsch“ gebraucht hat.

Ich glaube die angedeuteten Gründe sind die Ursache für die Schwierigkeit im Verständnis und Gebrauch der Worte „Wirklichkeit“ und „Wahrheit“.
Der Begriff „Wahrheit“ erscheint mir „atomarer“ zu sein als der Begriff „Wirklichkeit“, denn er ist näher an einer einfachen Vereinbarung als der andere. Wenn wir uns bspw. auf die Algebra als Regelwerk einigen, dann ist 1+1=2 eine wahre Aussage. Man kann sogar sagen, es ist eine „absolute“ Wahrheit, solange wir uns im Rahmen unserer Vereinbarungen bewegen.
Ich möchte jedoch hinzufügen, dass die Anwendung eines Adjektivs „subjektiv“ oder „objektiv/absolut“ auf den Begriff Wahrheit vielleicht sogar falsch ist. Ganz ähnlich wie die Anwendung der Adjektive „grün“ oder „heiß“ auf diesen Begriff. Das ist ein Ankleben von Eigenschaften, die der vermuteten ursprünglichen Bedeutung (=Vereinbarung) des Begriffs nicht entspricht, so nie gewollt/vereinbart war.
Aussagen über wahr und falsch lassen sich immer nur im Rahmen des Vereinbarten treffen. Wenn eine Sache, Aussage usw. den Rahmen der überprüfbaren Vereinbarungen verlässt, dann ist der Begriff „Wahrheit“ schlicht und ergreifend falsch angewendet. Kennt man die Vereinbarungen nicht, bzw. hat man keine solchen getroffen, dann lässt sich der Wahrheitsgehalt einer Aussage kaum bestimmen.

Eine „Wirklichkeit“ sehe ich als eine ganze Menge von Aussagen oder Informationen, die man für die eigene Person als „wahr“ betrachtet. Um zu prüfen, ob Sie und ich die gleiche Wirklichkeit erfahren/erleben, müssten wir streng genommen einzeln prüfen, ob Einzelaussagen oder Informationen für Sie und mich wahr sind, wobei „wahr“ wiederum eine Vereinbarung in unserem jeweiligen Kontext (=Umwelt, Menschen) ist.
Eine Wirklichkeit wird immer „subjektiv“ sein, weil sich niemand die Mühe macht, sie auf atomare Vereinbarungen zurückzuführen. Eventuell ist dies auch nicht möglich. Hinzu kommt, dass Wahrheitsvereinbarung und Zusammensetzung der implizierten Aussagen und Informationen nicht nur durch Sie und mich festgelegt werden, sondern durch die Menschen in Ihrer und in meiner „Welt“ (=Kontext). Deshalb ist Wirklichkeit immer vom Kontext abhängig und damit subjektiv. Wir können nur vermuten, dass der Wahrheitsgehalt der Bestandteile sich bei mir und bei Ihnen weitgehend decken und dass wir deshalb eine gemeinsame Wirklichkeit haben.

Ich frage mich allerdings, welchen Zweck der Begriff „Wirklichkeit“ verfolgt. Selten genug wird er gebraucht und in diesen Fällen ist ein Bemühen um „Objektivität“ auch meist nicht nötig. Ihre Aussage (die ich sehr gut formuliert fand), dass das stattgefunden Haben des Holocaust Teil Ihrer Wirklichkeit ist, muss nicht objektiviert werden. Über die meisten Bestandteil dieser Wirklichkeit haben Sie sich mit anderen geeinigt. Es ist daher auch legitim und eine weitere Vereinbarung, dessen Leugnung gesellschaftlich zu sanktionieren.

Win 8 Installation, Product Key ungültig

Nach dem Erzeugen und Starten des bootfähigen Win8 Installations USB-Sticks erhielt ich die folgende Meldung „Der eingegebene Product Key ist für die zur Installation verfügbaren Windows-Images nicht gültig. Geben Sie einen anderen Product Key ein.“

Offenbar passte der beim Erzeugen des Sticks angegebene Key nicht zu dem in der Hardware des PC verankerte (mit Betriebssystem gekauft). Was tun?

Suche im Internet ergab:
Zwei Dateien auf dem Stick unter „Sources“ anlegen:

~/Sources/PID.txt:

[PID]
Value=xxxxx-xxxxx-xxxxx-xxxxx-xxxxx

~/Sources/ei.cfg:

[EditionID]

[Channel]
Retail
[VL]
0

Versöhnen, Vergeben, Verzeihen, Entschuldigen

Zum Thema wurde ich angeregt durch einen Diskussionsabend der evangelischen Luthergemeinde Baden-Baden Lichtenthal „Zu Tisch bei Luther“.  Zunächst wusste ich mit dem Thema „Wie geht Versöhnung?“ nichts anzufangen. Ein wenig Stöbern bei Wikipedia und Google, brachte dann aber doch ein paar interessante Aspekte.

Das Folgende ist diesmal kein Essay, eher eine Stoffsammlung.

Zunächst was ist der Unterschied zwischen Versöhnen und Verzeihen?

Verzeihen und Vergeben betrachte ich hier als synonym. Ich bin im Augenblick nicht sicher, ob die beiden Begriffe das wirklich sind. Den Begriff „Entschuldigen“ lasse ich zunächst außen vor.

Verzeihen kann durchaus ein einseitiger Prozess sein, bei welchem ein Zutun oder die Anwesenheit eines Gegenübers nicht erforderlich ist.

Versöhnen bedarf im Gegensatz immer beider Seiten, als die Seite des gekränkten, geschädigten oder verletzten und die des Verursachers dieser Dinge. Beide Seiten müssen sich aktiv aufeinander zubewegen, beide müssen die Aussöhnung wollen.

Ein Versöhnen ohne Verzeihen gibt es glaube ich nicht. Das Verzeihen ist so etwas wie die Grundvoraussetzung, damit eine Versöhnung stattfinden kann.

Sieht man von Rückfällen in den Unverzeihlichkeit ab, so ist Verzeihen ein zeitlich kurzer Vorgang, eine Versöhnung benötigt hingegen viel Zeit, in der sie reift. Ggf. muss das Verzeihen darin öfter wiederholt werden, im Sinne einer Artikulation und Festigung.

Verzeihung und Vergebung sind aber nicht unproblematisch.

Ein ausgesprochenes „ich verzeihe Dir“ kann (nicht muss) auch schnell überheblich oder herablassend sein. Es erfolgt in den meisten Fällen aus einer Position der Stärke heraus. Entweder aus der Stärke sich selbst gegenüber „verzeihen zu können“, also etwas loslassen zu können oder abzumildern. Oder es ist eine Stärke, die das Gegenüber automatisch in die schwache Position drängt, als denjenigen, der einen Fehler begangen hat. Im zweiten Fall erfolgt die Aktion nicht „auf Augenhöhe“. Eine Versöhnung hingegen muss immer auf Augenhöhe erfolgen, sonst funktioniert sie nicht.

Umgangssprachlich

wird zwischen den Begriffen nicht sehr differenziert. So gibt es durchaus den einseitigen Ansatz „ich habe mich mit meiner toten Mutter versöhnt“, wobei die Frage des Gegenübers offen bleibt. Ebenso fehlt ein zweites Subjekt in Sätzen wie „ich habe mich mit mir versöhnt“. Dies dürfte aber mit einer fiktiven zweiten Persönlichkeit („zwei Herzen schlagen in meiner Brust“) erklärt werden können.

In solchen Fällen wäre das Wort „Vergeben“ synonym einzusetzen. Ich kann aber nicht richtig nachvollziehen, warum manche Menschen sich dennoch dagegen sträuben und auf den einen Begriff fixiert bleiben wollen.

Vielleicht richtiger wäre
ein Verzeihen, dass nur dann ausgesprochen wird, wenn der andere um Entschuldigung bittet. Einfach technisch, als Reaktion auf den Antrag.

Im Grunde ist Verzeihen aber ein innerer Prozess und damit sich still vollziehender Vorgang.

Was ging dem Verzeihen voraus und worin besteht es eigentlich?

Der Verursacher hat jemanden anderes, dies kann auch eine Gruppe sein, geschadet, verletzt oder gekränkt. D.h. es muss etwas gegeben haben, was dem Geschädigten bedeutend oder wertvoll war, dass er geschädigt werden konnte. Dieses Etwas ist in seinem Wert gemindert oder gänzlich zerstört worden. Wäre dieses Etwas, es kann gegenständlich oder immateriell sein, dem Geschädigten gleichgültig gewesen, so wäre kein Schaden entstanden. Es gäbe nichts zu verzeihen.

Eine Möglichkeit zu verzeihen besteht vor diesem Hintergrund darin, den Wert dieses Etwas zu reduzieren oder sich von seiner Wichtigkeit ganz oder teilweise zu lösen. Oder den Wert dadurch zu relativieren, dass etwas anderes wichtiger wird, z.B. die Beziehung zu dem der den Schaden angerichtet hat (= Ansatz zur Versöhnung).

Es ist auch denkbar, dass der Wert des geschädigten Etwas grundsätzlich aufrecht erhalten bleibt und nur vorübergehend, als Ausnahme sozusagen, reduziert wird. Der Schaden wird als gering angesehen und deshalb kann verziehen werden.

Ich frage mich nun, ob es noch grundsätzliche andere Varianten von Verzeihen gibt? Oder ob sich alle auf diese Möglichkeit zurückführen lassen.

Wenn dem so ist, dann hätte das geschädigte Subjekt es vollkommen und ausschließlich selbst zu verantworten, ob es geschädigt werden kann und wie es dies verarbeitet. Der Akt des Verzeihens hätte dann eigentlich keinen Adressaten, denn es ginge nur um die eigene Sichtweise auf die Dinge. Die Entschuldigung, die Bitte um Verzeihung wäre dann eine Bitte darum die Sichtweise, zumindest im Sinne einer Ausnahme, zu ändern.

Das kann durchaus anmaßend sein, muss es aber nicht.

Konklusion

Ein Verzeihen zu artikulieren ist gefährlich, weil es schnell überheblich und damit selbst Schaden anrichten kann.

Ein Entschuldigen ist gefährlich, weil es eine anmaßende Forderung nach Änderung der Sichtweise sein kann.

Wenn beides im Hinblick auf eine Versöhnung geschieht, oder – theatralisch formuliert –  von einem liebevollem Umgang getragen wird, dann ist es unproblematisch und moralisch richtig.

Ein Verzeihen im Stillen ist unbedenklich und moralisch richtig, weil es ein Stück praktizierter Demut und Bescheidenheit ist. Eine Rücknahme des Ego.

Power2Gas, EE-Gas, Solargas, Windgas: Eine Einleitung

Ein alter Studienkollege, der in der Erneuerbare-Energien-Branche tätig ist, war der Erste, der mich auf das Prinzip „Power-to-Gas“ aufmerksam machte. Inzwischen begeistert mich dieser nicht grundsätzlich neue Gedanke derart, dass ich beschlossen habe hier alle Informationen zusammenzutragen, die ich mit der Zeit so finde.

Warum mich das so begeistert wird vielleicht am besten deutlich, wenn man sich klar macht wie lange und mit welchem Aufwand „die Etablierung einer neuen Technologie“ verbunden ist. Als Beispiele führe ich hier das Flugzeug, das Auto, die Stromversorgung, die integrierten Schaltungen (ICs) das Internet an. Tausende Menschen wirkten an der jeweiligen Technologie mit und dies teilweise über Jahrzehnte, bis der heutige Stand erreicht wurde. Es ist wahrscheinlich sinnlos über Kosten einer solchen „Einführung“ zu sprechen, denn alle diese Technologien bauten Ihren Wert Schritt für Schritt auf, wobei gleichzeitig mit Teilerfolgen Geld verdient wurde. Es lassen sich auch keine Grenzen ziehen, an welchen man sagen könnte, die „Einführung der Technologie“ sei abgeschlossen.

Mit der in Deutschland eingeleiteten Energiewende, weg von Atomenergie und fossilen Brennstoffen und hin zu erneuerbaren Energien, deren Träger vor allem der elektrische Strom sein wird, stellen sich zwei entscheidende Fragen:

  1. Die Quellen der erneuerbaren Energien liefern Strom ungleichmäßig über die Zeit. Wind und Sonne scheinen/blasen nie gleichmäßig, 24 Stunden am Tag. Die erzeugte Energie, der Strom, muss also zwischengespeichert werden und das in enormen Umfang.
  2. Denkt man an Offshore-Windparks oder Photovoltaik-Anlagen in der Sahara, dann entsteht sofort die Frage, wie kommt der Strom von dort an Orte, an welchen keine solche Anlagen im notwendigen Umfang gebaut werden können? Die Diskussion und Aktivitäten hierzu sind bereits voll im Gange, wobei die hässlichen Überlandleitungen auf große Kosten und großen Wiederstand in der Bevölkerung stoßen.

Mit der Grundidee von „Power-to-Gas“ sind beide Fragen prinzipiell sofort beantwortet. Wesentlich wichtiger und das für mich bestechende daran: Es kann auf einer bestehenden Technologie aufgebaut werden, der Versorgung mit Erdgas!

Was ist Power-to-Gas?

Wie mit jeder „neuen“ Technologie, so ist es auch mit „Power-to-Gas“, die Begrifflichkeit ist noch nicht so sauber gefasst. Manche verstehen darunter „lediglich“ die Erzeugung von Wasserstoff aus Strom. Ich verwende den Begriff jedoch für die Erzeugung von Methangas aus Strom, bei der die Erzeugung von Wasserstoff nur ein Zwischenschritt ist. Und damit ist die Katze quasi schon aus dem Sack: Bei Power-to-Gas geht es um die Erzeugung von Gas aus dem Strom regenerativer Energiequellen. Zum Zwecke der Speicherung und zum Transport der ungleichmäßig erzeugten Energie.
In der Presse, im Web und in der Literatur finden sich noch andere Begriffe dafür, wie z.B. Solargas, Windgas und EE-Gas. Bei letzterem wird die Brücke zum Biogas geschlagen, welches auch ein EE-Gas also ein Gas (ebenfalls Methan) aus erneuerbaren Energien ist.
Erdgas besteht im wesentlichen aus Methangas. Wir haben gerade in Deutschland ein sehr großes Gasleitungsnetz, an das ausserdem riesige Speicher in Form von Kavernen und großen Gaskesseln angeschlossen sind. Die Gasleitungen stellen zum einen Selbst ein nicht zu unterschätzendes Speichervolumen dar. Zum anderen erlauben sie es, große Mengen an Energie bereits heute von einem Ort zum anderen zu transportieren, ohne dass hierfür irgendeine neue Stromleitung gelegt werden müsste.
Selbstverständlich ist meine Darstellung hier sehr vereinfachend und in der Wirklichkeit ist die Sachlage weit komplexer. Aber der Grundgedanke muss dem nicht geopfert werden: mit Methangas fahren heute Autos, werden Wohnungen beheizt und kann wiederum Strom erzeugt werden. Speicher, Leitungs- und Nutzungstechnologieen sind erprobt und wirtschaftlich sinnvoll im Einsatz. Mir scheint dass es keinen anderen Ansatz gibt der vielversprechender die beiden Fragen von oben beantwortet und gleichzeitig ohne einen großen „technologischen Sprung“ realisiert werden kann.

Leuchtend scheint mir hierbei das Beispiel Auto zu sein. Seit Jahrzehnten grübelt man über den Einsatz von elektrisch betriebenen Fahrzeugen nach. Infrastrukturen aufzubauen, die z.B. ein Leitungsnetz auf allen Straßen bieten oder Austausch-Batterien zum Wechseln an Tankstellen, ist von einem enormen Aufwand begleitet. Eben jenem Aufwand, der das Etablieren einer neuen Technologie nach sich zöge. Beim Erdgas existiert diese Technologie bereits. Wir können uns auf Ausbau und Verfeinerung konzentrieren und bestehende Netze und Speicher (z.B. auch Gastank-Schiffe) nutzen.

Und die Ökologie?

Soweit mir im Augenblick bekannt ist die Ökobilanz zumindest für das Funktionsprinzip neutral. Aus Wasserstoff und CO2 wird Methan. Das verbrannte Methan kann nicht mehr CO2 produzieren als bei seiner Erzeugung verwendet wurde. Die Gesamt-Ökobilanz muss sich auch auf die beteiligten Geräte und deren Entsorgung ausrichten. Hiervon weiß ich im Augenblick noch zu wenig.

Einführung zu „Simple Wahrheiten“

In dieser Rubrik möchte ich einzelne Gedanken auflisten ohne sie ausführlicher zu beleuchten. Allen ist gemein, dass man erst durch einen langen „Reifeprozess“ gehen muss, um zu erkennen wie wahr sie sind und welche Tragweite sie haben. Das sind die echten „Think-Abouts“.
Natürlich kann ein Reifeprozess falsch sein, geprägt durch Zufälligkeiten oder Häufung bestimmter Eindrücke. Aber dafür hast Du, lieber Leser, ja Deinen eigenen Kopf…

Einige Gedanken dieser Kategorie, werden in anderen Artikeln des Blogs ausführlicher behandelt.

Codeigniter Framework ohne ‚Ausgaben‘ nutzen

Codeigniter (CI) ist ein nettes, leichtgewichtiges PHP Framework. Es implementiert das Model-View-Controller (MVC) Design-Pattern und bietet eine ganze Reihe hilfreicher Funktionen, wie z.B. die Validierung von HTML-Formularen.

Im Falle einer schrittweisen Projekt-Migration nach CI erhebt sich die Frage, wie setzt man CI ein, ohne ein komplettes Redesign zu machen. Beabsichtigt man eine solche, so wird man neuen Code z.B. als „Model“-Klassen implementieren oder als Libraries und will darin natürlich das neue Framework benutzen. Später dann, bei den folgenden Migrations-Schritten, kann man in neuen – dann CI basierten – Controllern die eigenen „Modelle“ gleich wieder verwenden.

Lösung

Man schaue sich einmal die Funktion _fetch_uri_string() der Klasse libraries/CI_URI an. Dort sieht man wie CI versucht die „Segmente“ hinter dem EINEN Skript-Aufruf von index.php zu ermitteln. In Version 1.7.2 wird dort zuerst versucht, das $_GET-Array auszuwerten. Wenn das nicht funktioniert, wird $_SERVER[‚PATH_INFO‘] ausgewertet. Und genau das machen wir uns zu Nutzen.

Wenn CI genutzt werden soll ohne Ausgaben zu erzeugen, schreiben wir uns einen stub-Controller und speichern ihn unter application/controllers/Stub.php ab. Er sieht minimal so aus:

class Stub extends Controller {
    function index() {}
}

Dieser stub-Contoller lädt keinen View, erzeugt also keine Ausgabe. Und da CI sauber programmiert ist, erzeugt es wirklich keine Ausgaben (header() redirect ist später ohne Problem möglich).

In unserem Skript, in welchem wir das Framework nutzen wollen, schreiben wir dann:


unset($_GET); // die Übergabe-Parameter müssen zuvor ausgewertet sein
$old = $_SERVER['PATH_INFO'];
$_SERVER['PATH_INFO'] = "/stub";
require("index.php");
$_SERVER['PATH_INFO'] = $old;

index.php ist das Hauptsskript von CI. Durch diese Einbindung wird das Framework vollständig initialisiert. D.h. wir können es in unserem Skript nutzen. Anstelle von $this->… müssen wir dann nur $CI->… schreiben. Denn die Instanz steht nach dem require(); zur Verfügung.

Vielleicht denkt man nun, was ein Wahnsinn, das ganze Zeugs zu inkludieren… Nein, CI hat wirklich nur einen kleinen Footprint und bei etwas größeren Projekten inkludiert man sowieso oft mehr als ein Dutzend Dateien ins eigen Skript.

Gute Zitate

Seneca

Wer Gutes tat, der schweige.
Die höchste Stufe des Gewährens ist die Güte.
Sei Deines Wohltuns froh, auch wenn es keine Früchte trägt.
Der Prüfstein für ein großes Herz heißt ja nicht, geben und verlieren, sondern verlieren und trotzdem wieder geben.

Ein selbstbestimmtes Leben führen

Zusammenfassung „WDR5: Das philosophische Radio mit Peter Bieri über Selbstbestimmung “

Ein selbstbestimmtes Leben ist fast so etwas wie ein utopisches Ideal. Dabei ist es nicht so, dass es nie erreicht wird, sondern es ist durchaus möglich, es phasenweise zu erreichen und auch im Rückblick es dann so zu sehen. Aber es ist ein fragiler Zustand, der uns jederzeit innerlich oder äußerlich wieder genommen werden kann.

Das Ideal hat zwei Lesarten:
Zum einen ist ein selbstbestimmtes Leben ein Leben ohne äußere Tyrannei, also keine politische Diktatur, kein Gefängnis, keine Versklavung durch den Lebenspartner, durch den Vermieter, keine Erpressung durch den Arbeitgeber oder sonst wen. Ohne Beschränkungen durch Armut oder Krankheit usw.
Die kompliziertere Lesart ist die Frage, wie ich selbst über mein Leben bestimmen kann, wie ich selbst Autor meines Lebens werde.
Der Auftakt zu einem selbstbestimmten Leben und damit erster Schritt ist die Selbsterkenntnis. Man muss wissen, was für ein Leben man führt, also wo ich bereits wie ein Autor mein Leben gestalte und wo das Leben mir nur „zustößt“.

Zur Selbsterkenntnis gehört die Erkenntnis, dass ich geprägt bin durch Eltern, Klassenkameraden, Umgebung, Fernsehen usw. . Dies ist ein Sockel an „Bestimmung“ der unseren Rahmen (Kontext) bildet und zwar nicht nur als Beschränkung, sondern auch als Chance und Orientierung. Denn was sollte ich denken, fühlen, wollen ohne einen solchen Sockel? Woher könnte ich sonst meine Maßstäbe beziehen.

Zur Selbsterkenntnis gehört der Abstand zu sich selbst. Dabei muss ich mir unter anderem folgende Fragen stellen:

Was denke ich eigentlich genau? Also bspw. was denke ich über meine Nachbarn, über den Afghanistankrieg, über die wirtschaftliche Lage, über meine Freunde? Aber auch, was denke ich über meinen Erfolg oder mein Scheitern von vorgestern?
Ja, man verliert dabei die Wohligkeit des Selbstverständnisses. Aber man stellt auch fest, dass man das alles, bei genauer Betrachtung, nicht so genau weiß.

Was will ich eigentlich? Gemeint sind nicht solche Fragen wie, will ich jetzt das oder jenes Essen oder zum Supermarkt einkaufen gehen? Sondern Fragen wie: Will ich ein Leben in der Gesellschaft führen oder lieber eines für mich allein? Will ich jemand sein, dem Erfolg wichtig ist? Oder, welchen Beruf will ich ergreifen und wie will ich eigentlich mein Leben verbringen?

Was fühle ich eigentlich? Dabei geht es um Gefühle wie Neid im Gegensatz zu Missgunst oder Trauer oder Zuneigung. Dabei ist es oft so, dass wir unsere Gefühle missverstehen. Wir können eine Trauer für eine Angst halten, wir können eine Aggression für eine Trauer halten. Es ist sozusagen die Frage nach der seelischen Identität.

Zweck der Übung ist es festzustellen, wer bin ich eigentlich und erst dann, wer möchte ich sein.
Der Weg von der Selbsterkenntnis zum Umbau der Persönlichkeit kann nicht einfach beschlossen werden. Sondern es ist ein langwieriger Prozess mit vielen Neben- und Irrwegen. Dies wird aber zu einem blinden Kampf, wenn ich nicht gut verstehe, was ich denke, wünsche und fühle. Woher kommen die Emotionen, die ich bekämpfe und woher kommt der Wunsch, dies zu tun?
Dieses Prinzip kann man sich gut verdeutlichen, wenn es darum geht, z.B. einen Hass zu bekämpfen. Dabei wird klar, dass alle oben genannten Fragen gestellt und beantwortet werden sollten, so weit es geht.
Freuds Grundidee ist dann: Durch zum Teil langwierige Transparent-Machung kann man die Quellen eines Affekts ergründen und ihn dann auch verändern, zumindest teilweise oder ihn in die eigene Persönlichkeit integrieren.

Der innere Gegner in solchen Prozessen ist ein Wunsch oder ein Gedanke, der nicht verträglich ist mit dem gewünschten Selbstbild. Der innere Gegner ist nie objektiv, sondern existiert immer nur im Bezug auf das Selbstbild. Darin liegt aber auch gerade die Chance. Denn durch Veränderung des Selbstbildes kann man den inneren Gegner ins Selbstbild integrieren oder ihn unwichtig werden lassen.

Beim Prozess der Selbsterkenntnis spielt die Sprache eine wichtige Rolle. Um Transparenz oder Klarheit bzgl. der oben genannten Fragen herbeizuführen, muss man reden. Reden mit sich selbst, mit jemandem anderen oder in Schriftform.
Ein differenzierter, reicher Wortschatz hilft dabei ungemein.
Es gibt aber auch die Gegenseite. Gerade das Reden mit anderen – das oft auch nicht ganz aufrichtig ist, weil man sich anders darstellen will, als man ist – kann auch zur Selbsttäuschung und Fremdtäuschung führen (falsches, unvollständiges Feedback).

Fast alles, was wir denken, wünschen und fühlen geht darauf zurück, dass wir „unter dem Blick anderer Menschen“ leben. Dieser Blick kann beides sein, größter Schmerz, Angst oder Erfolg und Freude u.v.a.m. Entziehen kann ich mich diesem Blick nicht, denn ich nehme die Erinnerung daran überall mit. So dass die Frage lauten muss, wie erreiche ich Selbstbestimmung unter dem Blick der Anderen?
Das ist vielleicht die tiefste Frage des menschlichen Zusammenlebens oder auch der Politik. Es gibt darauf keine einheitliche, formalistische Antwort.
Wir müssen uns klar werden, welchen Blick, welche Person wir wichtig nehmen wollen? Die anderen Blicke können wir ignorieren. Das macht gerade die Selbstbestimmung aus.
Ein anderer Blick straft mich, kränkt mich, verletzt mich nur, wenn ich dem anderen eine Autorität in meinem Inneren zuspreche. (Ich will seine Anerkennung, ich will seine Richterposition, o.ä.). Wenn es gelingt, diese Autoritätszuschreibung, die oft unbewusst ist, irgendwie zurückzunehmen, spielt es keine Rolle mehr, was der oder die über mich denkt.
Welche Leute sind mir eigentlich wichtig? Man stellt fest, es sind wesentlich weniger als die Angst fingiert.

Exkurs über unterschiedliche Ebenen von Begrifflichkeiten, deren Vermischung nur verwirrt:
Wenn wir von Entscheiden, Fühlen, Wünschen und auch von Freiheit reden, dann ist das etwas, das auf der Ebene der Psychologie besprochen werden kann. Nicht aber auf der Ebene des Gehirns oder der Neurobiologie. Dort finden nur Neuronen- oder Elektrogewitter und Stoffwechsel statt.
Z.B. ist der Begriff der Freiheit gemacht für Beschreibungen auf dem Gebiet der Psychologie oder Soziologie. Außerhalb ergibt der Begriff keinen Sinn (z.B. auf neuronaler Ebene). Insofern ist es eine Vermischung verschiedener Ebenen, wenn man sagt, der Mensch sei prinzipiell nicht frei oder selbstbestimmt, weil er ja immer kausalen Zusammenhängen im Gehirn unterworfen sei. Kategorien wie frei oder unfrei existieren neurologisch gesehen nicht. Es sind keine Fragestellungen, mit welchen sich die Neurobiologie auseinandersetzt. Sie kann sie in ihrer Sprache nicht einmal beschreiben.
Formulierungen wie „wir tun nicht was wir wollen, sondern wir wollen was wir tun“ oder „die Freiheit ist eine Illusion“ sind plakativ und provozierend zu verstehen. Eigentlich sind sie falsch, da sie Begrifflichkeiten zueinander führen, die nicht zusammengehören. Sie empören, weil sie das Glück und die Würde gefährden würden, wenn sie richtig wären.