Versöhnen, Vergeben, Verzeihen, Entschuldigen

Zum Thema wurde ich angeregt durch einen Diskussionsabend der evangelischen Luthergemeinde Baden-Baden Lichtenthal „Zu Tisch bei Luther“.  Zunächst wusste ich mit dem Thema „Wie geht Versöhnung?“ nichts anzufangen. Ein wenig Stöbern bei Wikipedia und Google, brachte dann aber doch ein paar interessante Aspekte.

Das Folgende ist diesmal kein Essay, eher eine Stoffsammlung.

Zunächst was ist der Unterschied zwischen Versöhnen und Verzeihen?

Verzeihen und Vergeben betrachte ich hier als synonym. Ich bin im Augenblick nicht sicher, ob die beiden Begriffe das wirklich sind. Den Begriff „Entschuldigen“ lasse ich zunächst außen vor.

Verzeihen kann durchaus ein einseitiger Prozess sein, bei welchem ein Zutun oder die Anwesenheit eines Gegenübers nicht erforderlich ist.

Versöhnen bedarf im Gegensatz immer beider Seiten, als die Seite des gekränkten, geschädigten oder verletzten und die des Verursachers dieser Dinge. Beide Seiten müssen sich aktiv aufeinander zubewegen, beide müssen die Aussöhnung wollen.

Ein Versöhnen ohne Verzeihen gibt es glaube ich nicht. Das Verzeihen ist so etwas wie die Grundvoraussetzung, damit eine Versöhnung stattfinden kann.

Sieht man von Rückfällen in den Unverzeihlichkeit ab, so ist Verzeihen ein zeitlich kurzer Vorgang, eine Versöhnung benötigt hingegen viel Zeit, in der sie reift. Ggf. muss das Verzeihen darin öfter wiederholt werden, im Sinne einer Artikulation und Festigung.

Verzeihung und Vergebung sind aber nicht unproblematisch.

Ein ausgesprochenes „ich verzeihe Dir“ kann (nicht muss) auch schnell überheblich oder herablassend sein. Es erfolgt in den meisten Fällen aus einer Position der Stärke heraus. Entweder aus der Stärke sich selbst gegenüber „verzeihen zu können“, also etwas loslassen zu können oder abzumildern. Oder es ist eine Stärke, die das Gegenüber automatisch in die schwache Position drängt, als denjenigen, der einen Fehler begangen hat. Im zweiten Fall erfolgt die Aktion nicht „auf Augenhöhe“. Eine Versöhnung hingegen muss immer auf Augenhöhe erfolgen, sonst funktioniert sie nicht.

Umgangssprachlich

wird zwischen den Begriffen nicht sehr differenziert. So gibt es durchaus den einseitigen Ansatz „ich habe mich mit meiner toten Mutter versöhnt“, wobei die Frage des Gegenübers offen bleibt. Ebenso fehlt ein zweites Subjekt in Sätzen wie „ich habe mich mit mir versöhnt“. Dies dürfte aber mit einer fiktiven zweiten Persönlichkeit („zwei Herzen schlagen in meiner Brust“) erklärt werden können.

In solchen Fällen wäre das Wort „Vergeben“ synonym einzusetzen. Ich kann aber nicht richtig nachvollziehen, warum manche Menschen sich dennoch dagegen sträuben und auf den einen Begriff fixiert bleiben wollen.

Vielleicht richtiger wäre
ein Verzeihen, dass nur dann ausgesprochen wird, wenn der andere um Entschuldigung bittet. Einfach technisch, als Reaktion auf den Antrag.

Im Grunde ist Verzeihen aber ein innerer Prozess und damit sich still vollziehender Vorgang.

Was ging dem Verzeihen voraus und worin besteht es eigentlich?

Der Verursacher hat jemanden anderes, dies kann auch eine Gruppe sein, geschadet, verletzt oder gekränkt. D.h. es muss etwas gegeben haben, was dem Geschädigten bedeutend oder wertvoll war, dass er geschädigt werden konnte. Dieses Etwas ist in seinem Wert gemindert oder gänzlich zerstört worden. Wäre dieses Etwas, es kann gegenständlich oder immateriell sein, dem Geschädigten gleichgültig gewesen, so wäre kein Schaden entstanden. Es gäbe nichts zu verzeihen.

Eine Möglichkeit zu verzeihen besteht vor diesem Hintergrund darin, den Wert dieses Etwas zu reduzieren oder sich von seiner Wichtigkeit ganz oder teilweise zu lösen. Oder den Wert dadurch zu relativieren, dass etwas anderes wichtiger wird, z.B. die Beziehung zu dem der den Schaden angerichtet hat (= Ansatz zur Versöhnung).

Es ist auch denkbar, dass der Wert des geschädigten Etwas grundsätzlich aufrecht erhalten bleibt und nur vorübergehend, als Ausnahme sozusagen, reduziert wird. Der Schaden wird als gering angesehen und deshalb kann verziehen werden.

Ich frage mich nun, ob es noch grundsätzliche andere Varianten von Verzeihen gibt? Oder ob sich alle auf diese Möglichkeit zurückführen lassen.

Wenn dem so ist, dann hätte das geschädigte Subjekt es vollkommen und ausschließlich selbst zu verantworten, ob es geschädigt werden kann und wie es dies verarbeitet. Der Akt des Verzeihens hätte dann eigentlich keinen Adressaten, denn es ginge nur um die eigene Sichtweise auf die Dinge. Die Entschuldigung, die Bitte um Verzeihung wäre dann eine Bitte darum die Sichtweise, zumindest im Sinne einer Ausnahme, zu ändern.

Das kann durchaus anmaßend sein, muss es aber nicht.

Konklusion

Ein Verzeihen zu artikulieren ist gefährlich, weil es schnell überheblich und damit selbst Schaden anrichten kann.

Ein Entschuldigen ist gefährlich, weil es eine anmaßende Forderung nach Änderung der Sichtweise sein kann.

Wenn beides im Hinblick auf eine Versöhnung geschieht, oder – theatralisch formuliert –  von einem liebevollem Umgang getragen wird, dann ist es unproblematisch und moralisch richtig.

Ein Verzeihen im Stillen ist unbedenklich und moralisch richtig, weil es ein Stück praktizierter Demut und Bescheidenheit ist. Eine Rücknahme des Ego.

Zahnbehandlung, auf Dauer alles Pfusch

Als Kind hatte ich trotz gestrenger Eltern relativ viel Karies. Der Zahnarzt sagte, ich hätte einen zarten Zahnschmelz. Zugekleistert wurden die Löcher, wie in den 1960er Jahren üblich, mit Amalgam. Irgendwann in den 80ern, oder war es in den 90ern kam dann in der Presse auf, das Quecksilber im Amalgam sei schädlich und auch gemischte Metalle im Mund würden galvanisch wirken und die Nerven und das Gehirn beeinflussen. Obwohl die Kasse zu dieser Zeit nur noch die Hälfte der Gold-Inlays übernahm, entschloss ich mich dazu das Amalgam herausbohren zu lassen und eben durch diese Inlays zu ersetzen. Ich dachte damals, Gold ist in sich weich und wird wohl den besten Abschluss zum sich verändernden Zahn herstellen. Außerdem ist es ja selbst resistent so ziemlich gegen alles, geht keine Bindung mit irgendetwas ein und wird den Körper daher kaum stören.
Was ich damals nicht wusste, dass natürlich kein reines Gold zum Einsatz kommt, sondern eine Legierung, die das Inlay extrem hart macht. Das ging auch nicht anders, denn die Kräfte, die beim Kauen gerade punktuell entstehen können, sind enorm.

Mit ca. 40 Jahren war es dann so weit, Karies unter dem Inlay. Da die Wand des Zahns schon zu dünn war und die Zahnwurzel angegriffen, blieb nur die „Wurzelbehandlung“ und eine Krone. Der Zahnarzt arbeitete gut, aber ich hatte verdammt lange Wurzeln und so entzündete sich die Wurzelspitze nochmals ca. 10 Jahre später. Die Alternativen: Wurzelspitzenresektion oder Einpflanzen einer Keramik-Wurzel. Gott sei Dank genügte Antibiotika. Zur Zeit gibt der Zahn Ruhe.

Insgesamt gesehen, habe ich großes Glück gehabt und gute Zahnärzte, denn die 7 anderen Inlays sind problemlos.

Warum ich das alles schreibe? Nun, weil mir klar wurde, dass alle Zahnbehandlungen im Grunde nur Provisorien für ein paar Jahre, vielleicht ein Jahrzehnt sind. Das sagt aber einem niemand. So muss ich rückblickend sagen, das Amalgam hätte genauso lange vielleicht sogar besser gehalten als das Goldinlay und trotz sichtbarer „Zahnabschlüsse“ haben alle meinen Bekannten, die noch Amalgam im Mund haben, keinen Karies darunter.
Goldinlays sind so hart, dass sich feine Kapillaren im Zahnabschluss bilden und damit zu Einfallstoren für Bakterien werden. Das Quecksilber im Amalgam ist außerdem leicht desinfizierend, weil giftig, was die Kariesbildung ebenfalls hemmt.
Ich will hier sicher nicht dem Amalgam das Wort reden, ich bin auch kein Zahnarzt. Nein ich will auf etwas ganz anderes hinaus.
Zur Ehrenrettung der Zahnheilkunde, möchte ich auch anfügen, dass alternative Methoden, wie die Wurzelverpflanzung in den 60er und 70er Jahren noch nicht so weit entwickelt waren und sich deshalb kaum jemand da rantraute.

Ich frage mich heute, ob es nicht besser und insgesamt kostenschonender gewesen wäre, gleich den Zahn zu ziehen und durch eine Keramikwurzel zu ersetzen. Das setzt voraus, und dies weiß ich leider noch nicht, das diese Wurzeln ein Leben lang halten.

Der oben geschilderte Verlauf ist eigentlich absolut die Regel. Nur bei den meisten Menschen vollzieht er sich in kürzerer Zeit und oft noch dramatischer als bei mir.
Ich hätte es besser gefunden, das schon in jungen Jahren zu wissen, um sich innerlich und äußerlich darauf einzustellen. Außerdem sollte man endlich bekannt machen, welche Art von Zahnfüllung die haltbarste ist und wie eventuelle Nebenwirkungen einzuschätzen sind.
Schlussendlich kann der Druck zu intensiver Zahnpflege in jungen Jahren nicht groß genug sein. Denn dann gewöhnt man sich frühzeitig an die zeitaufwendige Prozedur einer intensiven Zahnpflege.

Lieber Leser, Du wirst vielleicht sagen „dann google halt danach!“ Habe ich. Da ich aber kein Mediziner bin, bin ich nicht sehr weit gekommen. Ich hoffe aber mein Beitrag bringt Dir trotzdem etwas und wenn er nur die richtigen Fragen aufwirft.

Einführung zu „Things, You’re never taught at school“

In dieser Kategorie versuche ich Dinge zu beschreiben, die ich weder zuhause noch in der Schule gelernt habe. Es sind jedoch Dinge, die man dort hätte lernen können.
Ich denke oft, wir lernen wesentliche Dinge nur durch unsere Erfahrungen im Leben. Diese Art des Reifens einer Persönlichkeit ist aber von Zufällen und Willkür bestimmt und deshalb wenig effizient.
Jedenfalls, bin ich oft schon selbst in Situationen geraten oder habe andere Menschen in solchen Situationen erlebt, in denen mir ein rechtzeitger Hinweis eines erfahrenen Menschen sehr geholfen hätte.