Über das Phänomen der Angst

SWR2 Wissen: Aula
Der Sprung ins Leere
Über das Phänomen der Angst
Von Wolfgang Schmidbauer

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=5775786/1wbi7nn/index.html

Herr Schmidbauer stellt zunächst den Ursprung und die Funktion von Angst im Lauf der gesellschaftlichen Entwicklung dar. Er zeigt dann auf, wie die Ängste in der heutigen Zeit entstehen und inwiefern sie sich von der historischen Entwicklung entscheiden.

Interessant fand ich in der Historie, dass es Sklaverei und Prügel bei Jägern und Sammlern zunächst nicht gab. Erst seit es Stammesgrenzen gibt, wird Angst dazu verwendet, die Integrität des Stammes zu wahren. Dies hat sich dann in den Zeiten der Zünfte noch weiterentwickelt, in welchen sich die Heranwachsenden nicht getraut haben einen Beruf außerhalb der eigenen Zunft zu ergreifen oder außerhalb der familiären Vorgabe ein Leben zu führen.
Und wieder weiterentwickelt entstand daraus die heute häufigste Form der Angst, die Angst zu versagen. Im Beispiel der Prüfungsangst wird das deutlich, weil es die Angst ist, in der individualisierten Leistungsgesellschaft nicht den richtigen, stabilen eigenen Platz zu erreichen. Eine andere Quelle von Angst ist die gestiegene Komplexität der Welt. Je mehr Möglichkeiten ich habe, je mehr Dinge ich besitze, desto größer ist auch die Gefahr, dass ich Fehler mache, dass ich etwas verliere. Als Beispiel führt Schmidbauer hier an, dass es immer schwieriger (und unsicherer) wird eine Zukunft zu planen, wie z.B. einen Hausbesitz an der Grenze des Finanzierbaren anzustreben oder auch, dass eine akademische Ausbildung keinen Garant mehr für einen guten Beruf ist.

Als wesentliche Maxime der Angstbekämpfung schlägt Schmidbauer den nicht leichten Weg vor, rational genau zu prüfen, inwieweit die Angst uns wirklich vor einer Gefahr warnt.

Über die Vielgestaltigkeit der Liebe

SWR2 Wissen: Aula
Mehr als Neuronengewitter
Liebe, ein unordentliches Gefühl
Von Wilhelm Schmid
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=6064888/1dxbpu1/index.html

Der Beitrag fast in sehr umfassender Weise die zahllosen Aspekte der Liebe zwischen Mann und Frau zusammen. Wilhelm Schmid hat einen sehr eigenen Erzählstiel. Er konstatiert mehr oder weniger ausschließlich. Dadurch lässt er alles offen, zumindest scheinbar. Man muss jedoch sehr genau zuhören, um die Perlen seines Beitrags zu entdecken.

Da die Aspekte so zahlreich sind, kann ich hier keine sinnvolle Zusammenfassung geben. Wichtig war mir jedoch seine Darstellung, dass gerade schwierige Zeiten in der Liebe eben auch dazugehören, ja geradezu Kennzeichen einer Liebe sind, wenn man diese bis zum Ende durchlebt und die Erfahrung, sich dann wieder einstellender besserer Zeiten, gemeinsam erlebt.

Gewinn für alle

Und wieder ein phantastischer Beitrag der Sendung Aula des SWR2. Naja, alles gutiere ich nicht. Z.B. das mit der dritten Welt ist zu verkürzt dargestellt oder auch dem Kapitalismus so das Wort zureden ist etwas unreflektiert. Anderes ist jedoch sehr gut auf den Punkt gebracht und ausformuliert.

Endlich: ein alternativer Elite-Begriff

Die Sendereihe Aula des Südwest-Rundfunks SWR2 brachte vor kurzem einen Beitrag, der endlich gelungen mit dem weit verbreiteten Falschverständnis, was eine Elite ist, aufräumt. Der Beitrag zeigt auch auf, was die Grundvoraussetzungen für Elitenbildung sind. Nicht zuletzt malt er einen Hoffnungsschimmer für unser aller Zukunft und relativiert schwache Schul-, Studien- und Ausbildungsleistungen.

SWR2 AULA vom 14.02.2010
Unkonventionell oder mainstreamig
Was ist die wahre Elite?
Von Konstantin Sakkas
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=5815836/qs3dmo/index.html

Konstantin Sakkas zeigt zunächst auf, warum heutige Eliten tendenziell abgelehnt werden. Der Widerwille entsteht, weil man zur Elite nicht primär durch Leistung und Einsatz gehört, sondern durch Geburt oder einem entsprechend fördernden Kontext.

Sakkas hat eine Gruppe von Menschen ausgemacht, die für ihn die zukünftige wahre Elite sein wird. Er nennt sie die Freelancer. Also all diejenigen, die sich durch „Auslese“ kennzeichnen, aber nicht unmoralisch, die privilegiert sind, aber durch eigene Anstrengung, eigenen Verdienst. Es sind dies die „Lebensunternehmer“ per se, wie sie Götz Werner (dm-Chef) bezeichnet.

Ein weiteres Kennzeichen dieser neuen Elite sind nicht geradlinige Lebensläufe. Sakkas hat über Hannah Arendt promoviert, deshalb greift er einen Ihre zentralen Gedanken auf. Das Geheimnis des Menschen liegt in seiner Spontaneität. Bedauerlicherweise ist das heutige Bildungssystem, insbesondere durch Bologna, hierzu kontraproduktiv. Leistungskataloge und Punkte-Schemata ersticken Spontaneität, sie wirken einer wirklich selbständig denkenden und handelnden Elite entgegen.

Sakkas sieht in dieser erstickten Spontaneität geradezu eine der Ursachen für die aktuelle Wirtschaftskrise. Unreflektierter Karriereformalismus brachte Personen in Entscheiderpositionen, die die neuen Abhängigkeiten nicht erkannten und schon gar nicht auf sie zu reagieren wissen.

Ein Zitat von Paul Nolte bringt es auf den Punkt: „Wir dürfen nicht mehr nur fragen, was wir ökonomisch investieren können, sondern wie wir unser eigenes Leben verantwortungsvoll gestalten. Verantwortung ist zuerst Selbstverantwortung. Ein sinnvolles Leben ist eines, das ich frei und unabhängig gestalte, aber in Mitverantwortung für andere.“

Durch die nicht-geradlinigen Lebensläufe hat die neue Elite bereits früh gelernt, mit Unsicherheiten zurechtzukommen. Sie ist deshalb prädestiniert für eine immer unbestimmbare Zukunft.

Zum Schluss eine starke Formulierung von Sakkas:
„Selbsterfahrung, Selbstverwirklichung: Mit diesen Vokabeln mag zwar mancher Personalchef noch voller Schrecken die ewige juvenile Abschweifung, die irrlichternde, antizivilisatorische Rebellion der ach so verketzerten Achtundsechziger assoziieren; in Wahrheit aber sind dies die Schlüsselbegriffe der künftigen Elite. Wer sich selbst erfährt, ist nicht etwa untauglich für praktische Arbeit; im Gegenteil, er erwirbt sich damit allererst das Tauglichkeitszeugnis für den Eintritt in die Welt der Erwachsenen und der sogenannten Leistungsträger.“